Geschichte der Gemeinde Oberwil im Simmental

 

Das Gebiet der Gemeinde Oberwil war schon in prähistorischer Zeit besiedelt. So bestanden um ca. 10‘000 v. Chr. bereits Sommerwohnungen in Höhlen. Der Verbleib dieser Menschen im Winter ist bis heute nicht geklärt. Im Frühmittelalter, nach dem Zerfall der römischen Macht, siedelten sich alemannische Sippen im Simmental an. Diese führten ebenfalls die Dreifelderwirtschaft ein. Auf diese Zeit zurück gehen auch die Almenden, also das Land das den Bauern zu gleichen Rechten und Pflichten, gleichmässig verteilt, zur Nutzung überlassen wurde. Dieses Allmendrecht hatte, wenn auch mit Anpassungen, über die Jahrhunderte Bestand und existiert noch heute.

Erstmals wird Oberwil im Jahre 1228 n. Chr. mit der Kirche in der Chronik erwähnt. Damals herrschten in grossen Teilen des Simmentals die Herren von Weissenburg. Diese gerieten jedoch schon bald in Konflikt mit der jungen, aufstrebenden Stadt Bern. 1288 führte diese einen Feldzug gegen die Weissenburger. Sie überrannten das Städtchen Wimmis und verwüsteten viele Dörfer im Simmental. Es folgten weitere bewaffnete Auseinandersetzungen, bis Bern 1337 die Übergabe der Festung Wimmis erzwang. Freiherr Johann von Weissenburg wurde im Gegenzug ins Berner Burgerrecht aufgenommen. Von dieser Zeit an stand das Simmental unter der Herrschaft der Stadt Bern.

An der Landsgemeinde vom 13. Mai 1527 beschloss die Talschaft die Einführung der Reformation in allen fünf Gemeinden.

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Oberwil heute

836 m.ü.M.

 

Oberwil liegt 836m über Meer, hat einen Gesamtfläche von 46 km2, aufgeteilt in fünf Bäuerten. Davon sind ca. 50% Alpen und Weideland und 25% Waldgebiet. 800 Einwohner besiedeln das Gemeindegebiet, davon sind knapp die Hälfte in der Landwirtschaft tätig. Ein Grossteil der in der Landwirtschaft tätigen Personen ist auf Zu- und Nebenerwerbe angewiesen. Auf 23 Alpen werden über 2400 Stück Rindvieh und einige hundert Schafe gesömmert. 10-20 Kleinbetriebe und Unternehmungen sorgen auch über die Gemeindegrenzen hinaus für Arbeitsplätze, besonders auch als Nebenerwerb für die Landwirte. In der Gemeinde Oberwil sind 97 Landwirtschaftsbetriebe registriert, Die Mehrheit ist in der Milchwirtschaft tätig. Weitere Betriebsarten sind z.B. Mastbetriebe oder Schafbetriebe. Im Dienstleistungssektor bietet Oberwil eine Gemeindeverwaltung, die Post, die Raiffeisenbank und drei Lebensmittelhandlungen nebst einer grossen Bäckerei.

In Oberwil besuchen ca. 70 Kinder die Primarschule im 1912 erbauten Schulhaus das neu renoviert wurde. Oberwil ist der Tourismusdestination Lenk-Simmental angeschlossen und bietet den Wandersleuten und Besuchern eine schöne gepflegte Landschaft, viele schöne, alte Bauten, interessante Höhlen und vieles mehr. Im Winter stehen schöne Tourenrouten und das Skigebiet Rossberg mit Pisten und Loipen zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgen sechs Gastwirtschaften, die über das ganze Gemeindegebiet verstreut sind.

 
 
Sage 'Der Untergang von Bärswil'
 
 

Thys Gruber zu Bärswil im oberen Simmental war ein glücklicher Mann. Er hatte einen trefflichen Knecht, Niggi Pfander, der zu seinen Herden und seinem Vieh Sorge trug. Das schönste von allem war aber Grete, des Meisters Tochter.

Als zu Ende des Heumonates die Sennen sich bei Niggi auf der Bunfahlweide zum fröhlichen Alpfest einfanden, stieg auch des Meisters hold Töchterlein hinauf, denn des Vaters hübscher und fleissiger Senn war ihr nicht gleichgültig. Das Alpfest aber führte die Herzen der beiden vollends zusammen, und sie verlebten von jetzt an ein wonniges Jahr bis zum nächsten Alpsonntag. Ab diesem Fest ereignete sich etwas was beiden zum grossen Herzleid werden sollte. Es gab nämlich hohen Besuch auf der Alp, würdigte doch der Junker aus der nahen Burg die Burschen und Mädchen mit seiner Anwesenheit. Er schien es besonders auf Grete abgesehen zu haben, denn fleissig forderte er sie zum Tanz auf.

Niggi aber wurde in tiefster Seele betrübt, ahnte er doch Unheil. Zumal, als später vom Tale die Kunde heraufkam, der feine Schlossherr sei jetzt Tag und Nacht im schönsten Haus von Bärswil häufiger Gast, kannste sein Sorge keine Grenzen. Er mahnte Grete, warten und drohte. Es war alles umsonst. Als aber die Rosen verblüht hatten und der Herbst ins Land kam, hiess es, dass der Junker in ferne Lande gezogen sei. Gretchen aber schlich bloss traurig und blass umher. Nun sollte ihm Niggi wieder gut genug sein. Der Senn stiess Sie aber voll Abscheu von sich und verfluchte ihre Untreue. Da schrie Sie: „Habe ich die Treue gebrochen, so soll in der schweren Stunde dein Fluch mich und dir Frucht meiner Untreue treffen! Ich will auch im Grabe keine Ruhe finden,  bis ich den Neuenberg über uns ins Tal heruntergehackt habe!“ Der Fluch aber erwahrte sich an der törichten Jungfrau. Bald raffte ein vorzeitiger Tod sie und ihr Kindlein dahin. Übers Jahr aber auf den Tag, ja in der selbigen Nacht, da sie mit dem Schlossjunker die Bekanntschaft geschlossen, brach ein furchtbares Gewitter los, welches vom Neuenberg eine Schlammlawine niedersauste und das Dorf Bärswil und seine Umgebung begrub. Noch heute sieht man von droben Erde und Steine herabrollen, dann sagen die Leute: „Das Lauigrabenfraueli kann nicht zur Ruhe kommen. Hört ihr es hacken?

nach Gempeler-Schletti, 'Simmentaler Sagen'